Emotionen in c-Moll | Zwischen Virtuosität und Todessehnsucht

Am 28.5. werden um 11:30 im kleinen Sendesaal des NDR Niedersachsen zwei Ensembles der NDR Radiophilharmonie in c-Moll zu hören sein. Auf dem Programm stehen das letzte Streichtrio Beethovens (Opus 9 Nr. 3 in c-Moll), sowie das letzte Klavierquartett von Johannes Brahms (Opus 60 in c-Moll) – zwei Werke wie sie von unterschiedlicherer Emotion nicht sein könnten.

Aus Beethovens Streichtrio spricht charakterlich kaum mehr die Tradition der „Unterhaltungsmusik“, die in Form viersätziger Serenaden und Divertimentos im 18. Jahrhundert besonders dem Streichtrio vorbehalten war. Charakterlich wendet sich das Werk mit seinem fast symphonischen Charakter und den ernsthaften Themen in c-Moll schon deutlich der von ihm später aufgegriffenen Gattung der Streichquartette zu. Dennoch versprüht das Trio eine virtuose Lebendigkeit. Schnelle Passagen aller drei Mitspieler werden immer wieder durch die viertönig absteigende Moll-Linie des Hauptthemas gebündelt um sich dann in Leichtigkeit wieder zu entfalten.

Ganz anders erklingt es bei Brahms.

Komponist Johannes Brahms

Das Klavierquartett, immer wieder auch übertitelt mit dem Namen „Werther-Quartett“ entstand in verschiedenen Schaffensperioden und ist spürbar von seiner unglücklichen Liebe zu Klara Schumann geprägt. Zum ersten Satz schreibt er selbst in einem Brief: „Nun stellen Sie sich einen Menschen vor, der sich eben totschießen will, und dem nichts anderes mehr übrigbleibt“.

Brahms begann das Quartett bereits 1863, änderte aber bis 1875 immer wieder einzelne Sätze oder Tonarten und stand bis zuletzt mit Klara Schumann in einem regen und kritischen Austausch über das Werk.

Es spielen Eriona Jaho – Violine, Sophie Pantzier – Violine, Francois Lefèvre – Viola und Sebastian Maas – Violoncello als Mitglieder der NDR Radiophilharmonie. Unterstützt werden sie von dem Berliner Pianisten Florian von Radowitz.

Text: Sophie Pantzier