Sommerserenade im Edelhof Ricklingen

Stellen Sie sich das perfekte windige Nordsee-Sommerwetter vor! Die Sonne scheint, der Himmel ist stahlblau mit der genau passenden Anzahl an lockeren Wolkenfetzen. Dies war das Setting für die diesjährige „Sommerserenade“ der „Freunde und Förderer der NDR Radiophilharmonie“ am 17. Juli 2021. Eigentlich bieten sich für die Unterstützer der NDR Radiophilharmonie übers Jahr verteilt viele Gelegenheiten, den Musikerinnen und Musikern bei zahlreichen Probenbesuchen, Werkstattgesprächen, Hörerlebnisplätzen und natürlich beim alljährlichen „MEET AND GREET“ nahezukommen und sie hautnah zu erleben. Dass die meisten Mitglieder auch regelmäßige Konzertbesucher sind, versteht sich von selbst.

Mit Beginn der Corona-Pandemie änderte sich dies nun grundlegend. Öffentliche Konzerte waren zunächst ganz untersagt, später dann unter vielen Vorgaben mit reduzierter Personenzahl erlaubt, doch das Gefühl, einem gesellschaftlichen Event beizuwohnen und entspannt in der Konzertpause mit gleichgesinnten Kulturinteressierten ins Gespräch zu kommen, stellte sich hierbei leider nicht ein.

Dass der NDR sein Landesfunkhaus nachvollziehbarerweise mit besonders strengen Vorgaben schützt schafft zum einen Sicherheit für alle Anwesenden, bremst die Rückkehr zur Normalität aber auch ein wenig aus. Der „Verein der Freunde“ konnte keine Probenbesuche mehr anbieten, die begehrten exklusiven Hörerlebnisplätze auf der Bühne zwischen den Musikerinnen und Musikern während der Probe waren undenkbar geworden.

So mussten sich alle in Geduld üben. Ein regelmäßiger Bericht aus dem Orchester konnte zumindest das Informationsdefizit der Freunde füllen und führte mit dazu, dass der noch junge Verein seine über 300 Mitglieder behielt.

Meinen Kolleginnen, Kollegen und mir war es daher ein Anliegen, am Ende dieser außergewöhnlichen Konzertsaison 2020/2021 noch die entspannte Pandemielage zu nutzen, um bei einem kleinen Open-Air-Kammerkonzert einige der Förderer wiederzusehen und sie mit Musik in die Sommerpause zu verabschieden.

Mit Charlotte und Max von Klitzing, die mit ihrer Stiftung auf dem Edelhof eine wunderschöne Location für ein Serenadenkonzert besitzen, hatte der Verein bereits im Jahr zuvor eine öffentliche Generalprobe für die „Freunde und Förderer“ veranstaltet und sie waren dankenswerterweise auch dieses Mal bereit, uns ihre Terrasse als Bühne zu überlassen. Dass unsere Konzertbesucherinnen und -besucher am Ende die gemeinnützige Stiftung Edelhof mit einer Spende bedachten, führte zur klassischen Win-Win-Situation.

Die Freunde der NDR Radiophilharmonie stellen die Gartenserenade 2021 vor. Foto: Carsten P. Schulze

Die Konzertatmosphäre im Grünen. Foto: Carsten P. Schulze

Nachdem sich alle 60 Besucherinnen und Besucher ganz unkompliziert auf den eigens mitgebrachten Campingstühlen und Picknickdecken im Schatten eines gigantischen Laubbaumes niedergelassen hatten, begrüßte der Vorsitzende der „Freunde und Förderer“ Joachim Werren zusammen mit Charlotte von Klitzing die Anwesenden.

Die Freunde der NDR Radiophilharmonie stellen die Gartenserenade 2021 vor. Foto: C. P. Schulze

Joachim Werren begrüßt die Anwesenden. Foto: Carsten P. Schulze

Die Freunde der NDR Radiophilharmonie stellen die Gartenserenade 2021 vor. Foto: C. Schulze

Charlotte von Klitzing begrüßt als Hausherrin alle „Freunde und Förderer“. Foto: Carsten P. Schulze

Im Anschluss daran begann das Programm mit einem Haydn Divertimento für Flöte, Violine und Cello. Der Cellist Jan Hendrik Rübel führte mit wenigen Worten durchs Programm und wies die Förderer darauf hin, dass eben solche kleinen musikalischen Kostbarkeiten früher für den Gönner oder fürstlichen Mäzen komponiert und gespielt wurden. Bei der anschließenden Aufführung konnten wir auf einigen Gesichtern im Publikum das Gefühl entdecken, als solcher Mäzen durch die eben gehörte Musik persönlich beschenkt zu werden.

Die Freunde der NDR Radiophilharmonie stellen die Gartenserenade 2021 vor. Foto: Carsten P. Schulze

Eine Konzerteinführung gab es von Jan Hendrik Rübel. Foto: Carsten P. Schulze

Beim anschließenden Quartett von Franz Krommer für Klarinette, Violine, Viola und Cello erwies sich die überdachte, erhöhte Holzterrasse des Gutshauses als hervorragender akustischer Verstärker für die Zuhörenden im Garten. Denn obwohl es ein sonniger Tag war, gab es für die Musik von Susanne Geuer, Catherine Myerscough, Anna Lewis und Jan Hendrik Rübel akustische Konkurrenz durch das Rauschen der Blätter in der gewaltigen Baumkrone.

Die Freunde der NDR Radiophilharmonie stellen die Gartenserenade 2021 vor. Foto: C. Schulze

Das Krommer-Quartett erklingt im Garten. Foto: Carsten P. Schulze

Zuletzt erklang noch ein Flötenquartett des italienischen Komponisten Gioachino Rossini für Flöte, Violine, Viola und Cello, bevor die Klarinettistin, von ihren Kollegen begleitet, mit einem virtuosen Klezmerstück für einen furiosen Abschluss sorgte.

Die Freunde der NDR Radiophilharmonie stellen die Gartenserenade 2021 vor. Foto: C. Schulze

Rossini-Qartett. Foto: Carsten P. Schulze

Dem Applaus nach war es ein rundum gelungener Nachmittag für alle Beteiligten. Die Veranstaltung zeigte, dass nach langer Pause alle belohnt werden, die sich wieder auf den Weg machen, um klassische Musik zu genießen. Es mag sein, dass so manche liebgewonnenen Gewohnheiten und Erwartungen noch längere Zeit nicht realisiert werden können, aber ein Blick ins Publikum bei der „Sommerserenade“ der „Freunde und Förderer der NDR Radiophilharmonie“ zeigte, wie Begeisterung für Kultur, Musik und Lebensgenuss aussieht.

Meine Kollegen und ich bedanken uns für die andauernde Treue und Unterstützung der „Freunde und Förderer“ für unser Orchester und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen!

Christoph Renz